Pankreaserkrankungen beim Hund: Pankreatitis, EPI, Diabetes und die richtige Ernährung verständlich erklärt
Viele Hundehalter hören beim Tierarzt irgendwann die Begriffe „Pankreatitis“, „Bauchspeicheldrüsenerkrankung“, „Pankreasinsuffizienz“ oder sogar „Diabetes“. Oft entsteht dabei Unsicherheit, denn die verschiedenen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse werden häufig durcheinandergeworfen.
Dabei handelt es sich nicht um dieselbe Krankheit. Die Bauchspeicheldrüse kann auf unterschiedliche Weise erkranken, und je nachdem welcher Teil betroffen ist, entstehen völlig unterschiedliche Probleme.
In diesem Artikel erfährst Du:
- Welche Aufgaben die Bauchspeicheldrüse hat
- Was der Unterschied zwischen Pankreatitis und EPI ist
- Ob sich die Bauchspeicheldrüse tatsächlich selbst verdauen kann
- Wie Diabetes mit der Bauchspeicheldrüse zusammenhängt
- Welche Symptome typisch sind
- Wie Tierärzte die Erkrankungen unterscheiden
- Welche Rolle die Ernährung spielt
Was ist die Bauchspeicheldrüse überhaupt?
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein wichtiges Organ im Bauchraum und erfüllt gleich zwei völlig unterschiedliche Aufgaben.
Die exokrine Funktion
Der größte Teil der Bauchspeicheldrüse produziert Verdauungsenzyme. Diese werden über Ausführungsgänge in den Dünndarm abgegeben. Dort helfen sie bei der Verdauung von:
- Fetten
- Eiweißen
- Kohlenhydraten
Nur durch diese Enzyme kann der Körper die Nahrung richtig aufspalten und die enthaltenen Nährstoffe aufnehmen.
Die endokrine Funktion
Ein kleinerer Teil der Bauchspeicheldrüse produziert Hormone.
Dazu gehören insbesondere:
- Insulin
- Glukagon
Diese Hormone regulieren den Blutzuckerspiegel.
Damit hat die Bauchspeicheldrüse nicht nur etwas mit Verdauung zu tun, sondern auch mit dem gesamten Energiestoffwechsel.
Kann sich die Bauchspeicheldrüse selbst verdauen?
Ja.
Das klingt dramatisch, ist aber tatsächlich wissenschaftlich beschrieben.
Normalerweise produziert die Bauchspeicheldrüse ihre Verdauungsenzyme in einer inaktiven Form. Sie werden erst im Dünndarm aktiviert, nachdem sie die Bauchspeicheldrüse verlassen haben.
Bei einer Pankreatitis können diese Schutzmechanismen gestört sein. Die Enzyme werden dann teilweise bereits innerhalb der Bauchspeicheldrüse aktiviert.
Die Folge:
Die Enzyme beginnen, körpereigenes Gewebe anzugreifen.
Dieser Vorgang wird als „Autodigestion“ oder Selbstverdauung bezeichnet.
Die Pankreatitis: Entzündung der Bauchspeicheldrüse
Die Pankreatitis ist die häufigste Erkrankung der exokrinen Bauchspeicheldrüse bei Hunden.
Dabei kommt es zu einer Entzündung des Organs.
Akute Pankreatitis
Typische Symptome können sein:
- plötzliches Erbrechen
- starke Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Appetitlosigkeit
- Schwäche
- teilweise Durchfall
Die Erkrankung kann mild verlaufen, in schweren Fällen jedoch lebensbedrohlich werden.
Chronische Pankreatitis
Nicht jeder Hund zeigt dramatische Symptome.
Bei chronischen Verläufen sind häufig zu beobachten:
- wechselnder Appetit
- Gewichtsverlust
- wiederkehrende Magen-Darm-Probleme
- Leistungsschwäche
Warum entsteht eine Pankreatitis?
Die ehrliche Antwort lautet:
Oft weiß man es nicht genau.
Viele Fälle gelten als idiopathisch, das bedeutet, dass keine eindeutige Ursache gefunden werden kann.
Bekannte Risikofaktoren sind jedoch:
- Aufnahme ungeeigneter Nahrung
- Fressen von Abfällen oder Müll
- hohe Blutfettwerte (Triglyceride)
- bestimmte Hormonerkrankungen
- Traumata
- einige Medikamente
Wichtig:
Wissenschaftlich lässt sich nicht belegen, dass jede Pankreatitis durch eine einzelne fettreiche Mahlzeit ausgelöst wird. Die Erkrankung ist deutlich komplexer.
Was ist eine Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)?
Die EPI ist etwas völlig anderes als eine Pankreatitis.
Während bei der Pankreatitis zu früh aktivierte Enzyme die Bauchspeicheldrüse angreifen, fehlt bei der EPI ein großer Teil der Verdauungsenzyme.
Das bedeutet:
Die Nahrung gelangt ganz normal in den Darm.
Es stehen aber nicht genügend Verdauungsenzyme zur Verfügung, um sie vollständig aufzuschließen.
Der Hund frisst zwar, kann die Nahrung aber nur unzureichend verwerten.
Typische Symptome einer EPI
Häufig zeigen betroffene Hunde:
- Gewichtsverlust trotz großem Appetit
- große Kotmengen
- weichen Kot
- fettigen Kot
- Blähungen
- Muskelabbau
- stumpfes Fell
Viele Halter sind überrascht, weil der Hund ständig hungrig erscheint und dennoch abnimmt.
Entsteht EPI durch Selbstverdauung?
Nicht direkt.
Die Selbstverdauung ist typisch für die Pankreatitis.
Eine EPI entsteht, weil zu wenig funktionierendes Pankreasgewebe vorhanden ist. Bei vielen Hunden mit EPI wurden die enzymproduzierenden Zellen im Laufe der Zeit zerstört oder sind zurückgebildet.
Kann eine Pankreatitis zu einer EPI führen?
Ja.
Chronische Entzündungen können auf Dauer Teile der Bauchspeicheldrüse zerstören.
Dadurch gehen immer mehr enzymproduzierende Zellen verloren.
Irgendwann werden nicht mehr genügend Verdauungsenzyme produziert, und eine EPI kann entstehen.
Vereinfacht dargestellt:
Gesunde Bauchspeicheldrüse → chronische Entzündung → Gewebeschäden → Verlust enzymproduzierender Zellen → EPI
Kann auch die hormonelle Funktion ausfallen?
Ja.
Und genau das wird häufig vergessen.
Viele Menschen denken bei der Bauchspeicheldrüse ausschließlich an Verdauung.
Die Bauchspeicheldrüse produziert aber auch Hormone.
Werden die insulinproduzierenden Zellen geschädigt, kann sich ein Diabetes mellitus entwickeln. Chronische Schädigungen der Bauchspeicheldrüse werden in der Fachliteratur als mögliche Ursache beschrieben.
Typische Symptome bei Diabetes mellitus
Mögliche Anzeichen sind:
- vermehrter Durst
- häufiges Wasserlassen
- Gewichtsverlust
- Leistungsschwäche
- teilweise gesteigerter Appetit
Diese Symptome können auch andere Ursachen haben und reichen allein nicht für eine Diagnose aus.
Wie unterscheiden Tierärzte Pankreatitis, EPI und Diabetes?
Die Symptome überschneiden sich teilweise.
Deshalb reicht eine bloße Vermutung nicht aus.
Diagnose einer EPI
Als Goldstandard gilt die Bestimmung der sogenannten TLI (Trypsin-like Immunoreactivity) im Blut.
Zusätzlich werden häufig Vitamin-B12- und weitere Blutwerte kontrolliert.
Diagnose einer Pankreatitis
Die Diagnose basiert auf mehreren Bausteinen:
- klinische Untersuchung
- Blutuntersuchungen
- spezielle Lipase-Werte
- Ultraschall
- Beurteilung der Symptome
Diagnose eines Diabetes mellitus
Hier werden insbesondere untersucht:
- Blutzuckerwerte
- Urin
- weitere Laborparameter
Die Diagnose erfolgt nicht allein aufgrund der Symptome.
Die Ernährung bei Pankreaserkrankungen
Die Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Betreuung von Hunden mit Pankreaserkrankungen.
Dabei gibt es jedoch keine allgemeingültige Lösung.
Jeder Hund ist individuell.
Muss es immer ein spezielles Diätfutter sein?
Nein.
Die wissenschaftliche Literatur beschreibt, dass viele Hunde nach einer überstandenen Pankreatitis wieder auf geeignete Erhaltungsfuttermittel umgestellt werden können, sofern keine relevanten Begleiterkrankungen vorliegen.
Das bedeutet nicht, dass jedes Futter geeignet ist.
Es bedeutet lediglich, dass nicht automatisch jeder Hund lebenslang dasselbe Diätfutter benötigt.
Ist natürliche Ernährung möglich?
Grundsätzlich ja.
Entscheidend ist nicht, ob ein Hund:
- frisch gefüttert wird
- selbst gekochtes Futter erhält
- Nassfutter bekommt
- Trockenfutter bekommt
Entscheidend ist, ob die Ernährung:
- bedarfsdeckend
- ausgewogen
- gut verdaulich
- individuell angepasst
ist.
Eine gut geplante natürliche Ernährung kann ebenso sorgfältig zusammengestellt werden wie andere Fütterungsformen.
Fazit
Unter dem Sammelbegriff „Pankreaserkrankung“ verbergen sich unterschiedliche Krankheitsbilder.
Bei einer Pankreatitis steht die Entzündung der Bauchspeicheldrüse im Vordergrund. Dabei können vorzeitig aktivierte Verdauungsenzyme das Organ selbst schädigen.
Bei einer Exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) fehlen dagegen Verdauungsenzyme, wodurch die Nahrung nicht ausreichend verwertet werden kann.
Werden zusätzlich die hormonproduzierenden Bereiche der Bauchspeicheldrüse geschädigt, kann ein Diabetes mellitus entstehen.
Die richtige Ernährung kann eine wichtige Rolle spielen, sollte jedoch immer an die tatsächliche Diagnose und die individuellen Bedürfnisse des Hundes angepasst werden. Pauschale Lösungen gibt es bei Pankreaserkrankungen nicht.